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Bligg

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Bligg

Bligg benennt sein neues Album nach Zürichs Szeneguy Nr. 1 und glänzt mit musikalischer Kombinatorik!!

Alle wirklich grossen Stilikonen haben eine verruchte Seite. Humphrey Bogart, Serge Gainsbourg, Dean Martin, Frank Sinatra - sie alle waren nicht nur grosse Künstler, sondern auch unverbesserliche Lebemänner. Das Zürcher Musikschwergewicht Bligg nimmt auf sie mit einem Kunstgriff Bezug. Ein Kunstgriff, der erstens das visuelle Erscheinungsbild des Albums - alles ist auf die grosse Ära des Jazz und die Blütezeit der Crooner in den 50er und 60er Jahren ausgerichtet - und zweitens den Albumtitel betrifft. Den dieses heisst nicht wie vorab angekündigt einfach "Yves" sondern "Yves Spink"!! Der Name sagt ihnen nichts? Dann waren sie noch nie im Zürcher Nachtleben unterwegs. Dort sind die Episoden und Eskapaden des ehemaligen Werbers und erfolgreichen Gastronomen nämlich jedem bekannt. Mal stürzt er sich von einem Tisch per Kopfsprung in ein Champagnerglas, mal besitzt er die dreiste Chuzpe sich ohne



jegliche Vorkenntnisse im neuen Zürcher St. Germain vor Rapstar Snoop Dogg im Breakdance zu versuchen, mal zieht er durch die Tanzlokale und trommelt wild auf einem leeren Ölfass herum. Oder er krakeelt lauthals durch sein eigenes Lokal an der Zürcher Langstrasse, und spendiert einem im nächsten Moment ein Freigetränk. Oft schroff und stets durchgeknallt, aber eben immer stilvoll und liebenswürdig: Yves Spink ist eine moderne Form des Lebemannes und damit die perfekte Verkörperung des Albumkonzepts. Ein Mann, tausend Geschichten.

Aber nicht nur der bunteste Hund des Zürcher Nachtlebens, sondern auch die telegenste Frau der schweizerischen Fernsehlandschaft findet auf Bliggs fünftem Soloalbum Erwähnung. Der bereits im Vorfeld als Videoclip und Radiosingle veröffentlichte Song "Susanne" ist eine vom Wohnzimmersofa aus intonierte Liebeserklärung an die 10vor10-Moderatorin Susanne Wille. Eine Frau, die mit Intelligenz und Rhetorik glänzt. Für ihr tägliches Date legt er seinen neuen Jill Sander-Duft auf, rasiert sich und serviert bei Kerzenlicht Spaghetti. Eine Charme-Attacke, die nicht nur originell, sondern auch musikalisch herrlich verpackt daherkommt. Ein die Aussage bekräftigender Beat, eine von Hingabe zeugende Klaviermelodie und ein von der Erscheinung auf der Mattscheibe betörter Romeo, der zwischen Rap und Gesang wechselt. Aber vernachlässigen wir nicht die anderen Songs des Albums, wie z.B. das mit lauten Schreien, Honig, Sambuca und einem Verweis an den Säugetier-Urtrieb-Song der Bloodhound Gang ausstaffierte Sexabenteuer "Börn Baby". Oder dem "Lieblingssong", in dem sich die akustische Gitarre zum wiederholten Mal als Lieblingsinstrument des Trennungsschmerz verarbeitenden Künstlers entpuppt. Eine Vorliebe, die weit zurückreicht: Bligg spielt seit seiner Kindheit Gitarre und hat bereits die Songs der Alben "Normal" und "Odyssey" mit ihrer Hilfe komponiert. Gut die Hälfte der Gitarrenparts des neuen Albums hat Gölas Gitarrist Slädu eingespielt, den Bligg in der Jury des "Battle of Bands" kennen lernte. In der aussergewöhnlichen Rolle des Beatboxers hat dann auch noch der Plüsch-Sänger Ritschi seinen Auftritt. Und hätten wir noch mehr Platz, würden wir hier auf weiteres klassisches Liedgut in modernem Gewand hinweisen.

An Ideen hat es dem 30jährigen Marco Bliggensdorfer alias Bligg noch nie gefehlt. Die gesamte Schweizer HipHop-Aktivistenschaft stand schon vor über 12 Jahren jeweils bereit, wenn er bei seinen Freestyle-Auftritten den Mundartreimen Stil beibrachte. Er war der Erste, der in Schweizerdeutsch genauso locker und unverkrampft rappen konnte wie die grossen Vorbilder aus Übersee. Alle haben sie von ihm gelernt. Alle haben sie von seiner Pionierarbeit profitiert. Ein Album mit Rappartner Lexx, sieben Jahre, drei Soloalben und eine Mix-CD ("Okeydokey") später hat sich Bligg als Künstler seinen festen Platz geschaffen und immer wieder bewiesen, dass er nicht nur willig, sondern auch fähig ist mit der Zeit zu gehen. Genregrenzen sind mittlerweile kein Hindernis mehr für ihn. Der Begriff "Rapper" beschreibt ihn nun nur unzureichend. Heute nützt er seine Fähigkeiten als Rapper, Sänger und Produzent, um seine musikalischen Ideen in Eigenregie möglichst präzise umzusetzen. Für Album Nummer 5 heisst das: Popmusik mit unwiderstehlichen Melodien, augenzwinkernde Anekdoten, kleine Alltagsbetrachtungen, Beziehungstragik und Songs, die nie den groovenden Unterboden vermissen lassen. Yves Spink, schön dass es dich gibt!

 

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