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Florian Ast

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Florian Ast

VOLLTRÄFFER - RANDNOTIZEN Florian Ast erinnert sich an Geschichten hinter den Songs

Tanze

Es sollte so eine richtige Tanznummer mit fetten Bläsern sein. Denn ich kann nicht tanzen, mich hat ja früher nie eine zum Tanz aufgefordert, und nun wollte ich es endlich mal lernen: "Jitz gah-n-i uf ds Ganze, jitz wotti lehre tanze." Aber natürlich kann ich es noch immer nicht. Auf der letzten Tournee wollten unsere beiden Sängerinnen zwar nach jedem Auftritt unbedingt noch tanzen gehen - aber irgendwie konnte ich mich da immer rausschlängeln.

S Läbe isch schön

Der Song kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Wir steckten in Wien während der Arbeiten zum neuen Album in einer Sackgasse, ich hatte gemerkt, dass man ein Mundart-Album nicht im Ausland machen sollte, mir fehlte die natürliche Umgebung, der Dialekt. Im Studio gabs Gestürm und Ärger. Und da passierte auch noch dieser 11. September, der gab ja allen Menschen einen auf den Deckel, die ganze Welt war geschockt. Und wie eine Trotzreaktion



gelang mir dann plötzlich dieser Text: Das Leben ist trotz allem schön. Ein bisschen reflektiert er auch, wie die grosse Welt der selbst ernannten Herrscher aus den Fugen gerät: "Gsetz u Rächt, es erfundnigs Spiel." Vor allem aber ist er das Bekenntnis im Kleinen: dass ich trotz schiefer Weltlage mein privates Glück versuchen will.

Ueli

E Souhung, e Fotzucheib, e Stieregring! Dieser Ueli ist faszinierend und abstossend, ein Kerl, auf den man einerseits eifersüchtig ist, der einem andrerseits auf den Wecker geht. Aber zum Glück gibts ihn nur in dem Song und nicht in meinem wahren Leben.

Troumfrou

Wollte ich in einem Lied eine Liebe besingen, die für immer und ewig hält, würde das wohl bald einmal schleimig tönen. Denn "immer und ewig" gibts nicht wirklich. Also malte ich mir eine Traumfrau aus, eine, dies nur im Traum gibt, die für immer eine Sehnsucht, eine Hoffnung bleibt und deshalb ewig währt. Und was passierte? Ich fand die Troumfrou und habe sie immer Sommer 2003 geheiratet.

Gemschelibock

Es gab dieses Lied über einen Gemschelibock von Ruedi Rymann. Aber mir fehlte darin etwas; es darf ja nicht sein, dass ein Jäger ein Leben lang mit Lust und Leidenschaft auf die Pirsch geht. Also spann ich die Geschichte weiter, erdachte mir den Jäger, dem im Traum der Kopf eines Gemsbocks erscheint, der reden kann. Und nachher jagt der Jäger seiner Lebtag keine Gemsen mehr.

Sex

Das klassische Studio-Geblödel. David Bronner und ich waren seit zwei Monaten im Studio, hatten nonstop durchgekrampft, keinen Tag frei genommen, keine Ablenkung gehabt. Da griff ich zur Gitarre und trällerte zum Löu vor mich hin: "I wott Sex vom Morge bis amm Aabe." Zu jenem Zeitpunkt ein durchaus reales Bedürfnis… Et voilà, er wurde zum grossen Hit des Albums und zu einer der Hymnen in meinem Live-Repertoire. Pubertär? Ja, klar! Steckt nicht in jedem von uns ein Kindskopf?

Eiger, Mönch u Jungfrou

Ein alter Kalauer im Berner Volksmund: Warum ist die Jungfrau Jungfrau? Weil zwischen ihr und dem Eiger der Mönch steht. Daraus fabulierte ich mein Lied zu den drei berühmtesten Gipfeln des Berner Oberlandes.

Daneli

Gopf, das war mein erster Hit. Wenn ich bedenke, dass ich ihn hurtig in einer Viertelstunde schrieb, mehr als Gag! Das kam so: Ein Kollege, der hiess wirklich Daneli, fragte mich, wie das eigentlich gehe: einen Song zu schreiben. Ich wollte es ihm an einem konkreten Beispiel zeigen, sagte: "Nehmen wir mal deinen Namen…", erfand ein paar Zeilen dazu, und hoppla: "Daneli" war geboren. Dann dünkte mich, klanglich fehle noch etwas, so kam das Schwyzerörgeli ins Spiel. Das Örgeli war dann ein gefundenes Fressen für die Presse, ich landete in der Ethno-Rock-Schublade. Und da wollte ich schnell wieder raus. Deshalb habe ich das Schwyyzerörgeli seit fünf Jahren nicht mehr angerührt. Die Örgeli-Masche weiterzuziehen wäre vielleicht marktstrategisch richtig gewesen, aber musikalisch glaubte ich es ausgeschöpft zu haben. Sein Ton schien mir zu dominant, zu wenig wandelbar. Jetzt erst freunde ich mich langsam wieder an mit dem Örgeli, und wer weiss…

Ängu

Ich stellte mir einen Engel vor, den ich nicht bitten wollte, mich zu beschützen, sondern mich zu nehmen. Das sind die wahren Engel, an die anderen glaube ich nicht wirklich. Aber vielleicht gibts ihn ja doch, den Schutzengel? Oder in meinem Fall eher den Stüpfengel: der, der mich immer stüpft und sagt: Mach öppis!

Paris

Mit 26 war ich zum ersten Mal in Paris, ich Kulturbanause. Es gefiel mir so gut, dass ich eine Liebeserklärung an die Stadt der Liebe verfasste. Wenn man dort steht, Louvre, Versailles, Bastille und Eiffelturm sieht und sich vorstellt, was da historisch alles abging, ist es schon eindrücklich. Für mich hatte das eine Kraft- und Siegesausstrahlung, und ich dachte mir wie so mancher vor mir: "Lah mi niemeh los."

Chumm gib mir dini Hand

Eigentlich finde ich ja, Beatles-Songs seien unantastbar, an denen kann man nichts mehr besser machen. Aber damals wollte man mir eine Liebesgeschichte mit Kisha anhängen, und da haben wir uns halt dieser Lennon/McCartney-Komposition bedient, um mit einem Augenzwinkern auf die Gerüchte zu antworten. Und weil es den Song nur als Single gab, er bald unauffindbar war und immer wieder verlangt wurde, ist er jetzt hier drauf. Ob Kisha und ich wirklich etwas miteinander hatten? Hä, das wettsch jitz gärn wüsse!

Grossvater

Das Lied spricht für sich, da muss man nichts dazu sagen. Es liegt mir sehr am Herzen, es ist eine wahre Geschichte. Als ich es schrieb, war ich erst siebzehn, und das darf man auch hören.

Bild

Bei einigen meiner Songs könnte man offenbar meinen, ich sei ein Macker, wenn man sie hört. Nun wollte ich mal eine Liebesgeschichte erzählen, in der ich verliere. Da ist diese Frau, der ich nicht im Weg stehen, deren Karriere ich nicht behindern will. Ich lasse sie ziehen, erfahre fortan nur noch aus den Medien, was aus ihr geworden ist. Und habe bei mir daheim das alte Bild von ihr hängen, das mich jeden Tag an sie erinnert. Sie hat ihrerseits jenen Lieblingssong, bei dem sie damals immer das Radio lauter aufdrehte, wenn er gespielt wurde. An dieser Stelle kommt nun mein songschreiberischer Dreh: Am Ende entpuppt sich DIESER Song als ihr Lieblingslied. Der Song ist der Song im Song, die Geschichte geht in sich selber auf. Knifflig, gäu?

Meitschi

Den haben wir von der deutschen Band "Die Schande" gecovert, und obwohl es eigentlich ein eher ernster Song ist, wurde er bei uns zum Party-Song, weil er live so gut ankommt.

Blueme

Den Song mag ich sehr. E härzigi Gschicht. Er will ihr Blumen bringen, steht wie bestellt und nicht abgeholt vor ihrer Haustüre, sie öffnet nicht, er sagt: Ich bleibe hier, und wenn die Blumen verwelken, dann hole ich einen neuen Strauss. Ob ich selber Blumen nach Hause bringe? Vielleicht zu selten. Aber wenn ich es tue, dann kommt es auch wirklich von Herzen..

Härzchlopfe

Der gute Junge im Lied war irgendwie noch nie richtig verliebt. Er weiss nur: Es muss mehr sein als nur ein bisschen Herzklopfen.

Träne

Ich trug das Lied jahrelang mit mir herum. Die Zeit war noch nicht reif, ihn zu realisieren. Ich stellte mir ein Duett vor, fand aber nicht die richtige Partnerin. Da lese ich eines Sonntagmorgens in der Zeitung, dass Francine Jordi beim Euro Song Contest abgeschifft ist. Ich fand, man habe sie unfair behandelt. Und dachte mir, das wäre jetzt die schrägste Kombination: die Schlagersängerin mit dem Rocker. Dann wills der Zufall noch, dass Francine und ich mal beim selben Coiffeur waren. Also rufe ich den Coiffeur an, lasse mir die Nummer geben, schicke ihr ein SMS: Du musst mit mir diesen Song singen! Sie rief sofort zurück und war dabei. Erst dann hörte ich mir ein paar ihrer Lieder an, um zu sehen, was sie eigentlich so macht, und hoppla, da waren so richtig sülzige Schlager dabei. Aber mir ist es schiisseglich, wie man Francine etikettiert. Sie kam ins Studio und sang auf Anhieb huere gut. Und dann sagte ich mir bezüglich des Arrangements: Wenn schon, denn schon, manchmal muss man übertreiben, und engagierte noch ein richtiges Streichorchester. Es sollte echt klingen! Ich hatte mir ja heimlich immer einen Riesenhit erhofft, aber dass der Song so abheben würde, hätte ich nie gedacht. Ich reibe mir noch immer die Augen, dass "Träne" so eingeschlagen hat. Rütli Meine inoffizielle Schweizer Nationalhymne.

Schöni Meitschi

Noch nie wurde ein Titel von mir so oft am Radio gespielt wie dieser. Das Original ist ein geiler Song. Allerdings finde ich, die deutsche Version "Rote Lippen soll man küssen" habe das ursprüngliche Ziel der Komponisten Leiber/Stoller eher verpasst. Mich interessierte der kleine Bub, dem das Mami sagt: Du wirst vielleicht nicht reich und schön, aber glücklich kannst du trotzdem werden. Deshalb inspirierte ich mich mehr an Ruth Browns Original-Einspielung "Lucky Lips" von 1956. Die gefiel mir so gut, dass ich sie auf meiner CD-Maxi drauf haben wollte, und es hat mich total gefreut, dass der Titel lizenziert werden konnte. Hey, zwischen ihrer und meiner Version liegen 48 Jahre!