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Michael von der Heide

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Michael von der Heide

Schwelgen in der guten alten Zeit Michael von der Heide betreibt auf seinem neuen Album "Helvetia" Wurzelsuche und legt mit einem Hauch von Jazz und einem Glanz von Variété eine Palette mit schweizerdeutsch, deutsch und französisch gesungenen Songs vor, die im letzten Jahrhundert Hits oder populäre Schlager waren, leider aber längst in Vergessenheit geraten sind. Garniert werden die Kultlieder und Raritäten mit einem brandneuen Stück und einer verblüffenden Neubearbeitung des von-der- Heide-Hits "Jeudi Amour".

"Vielleicht trauere ich tatsächlich der guten alten Zeit der Schwarzweissfilme nach, obwohl ich sie gar nicht selber miterlebt habe." Michael von der Heide sitzt in einem Zürcher Café und schwärmt vom Filmklassiker "Bäckerei Zürrer". Der Wahlzürcher aus Amden ist aber kein blinder Anhänger einer längst vergangenen Epoche, sonst hätte er sich kaum auf ein Projekt wie "Helvetia" eingelassen, das beinahe vergessenes Schweizer Liedgut ins Rampenlicht gezerrt und auf CD gebannt hat. Natürlich



tut das der junge Mann mit Augenzwinkern und einer gesunden Portion (Selbst-)Ironie. Obwohl die Stücke zum Teil schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben, klingen sie weder angestaubt noch ewiggestrig. Man staunt, wie zeitaktuell der Titelsong "Helvetia" aus der Feder von Hans Gmür etwa ist, obwohl er bereits 1962 geschrieben worden ist. "Es ist für mich ungemein faszinierend, was Unterhaltungsschreiber mit aktuellen Themen gemacht haben, die auch einen politischen Anstrich hatten", erklärt von der Heide und fährt fort: "Ich habe das Stück schon vor Publikum gesungen. Hans Gmür hatte Tränen in den Augen, als er sich daran erinnerte, dass er es war, der "Helvetia" geschrieben hatte." Es ist die Geschichte des altersschwachen Zürichsee-Dampfschiffes, das in den frühen 60er Jahren hätte entsorgt werden sollen. Bloss wie, lautete die Frage. Die Schweizer Luftwaffe hatte die grossartige Idee, das Schiff abzuschiessen und zu versenken. "Helvetia" bietet aber nicht nur politisch angehauchte Stücke, sondern ganz nebenbei auch poetische Liebeserklärungen an die Stadt Zürich ("Oerlikon" von Jürg Amsteig oder "I mim Quartier", das Werner Wollenberger 1959 der Hardau widmete), französische Chansons ("T'en vas pas", mit dem Esther Ofarim 1962 den Grand Prix d'Eurovision für die Schweiz gewonnen hätte), Oden an den Alltag (Margrit Rainer machte "S'isch halt eifach schön" unsterblich), ein klassisches Volkslied ("Madeleine") oder typisch schweizerische Liebeslieder ("Es wird mer heiss & chalt" aus dem legendären "Schwarzen Hecht").

Michael von der Heide und seine Band (Greg Galli, Nico Looser und Luca Leombruni; als Gäste machten Andi Pupato, Tanja Dankner, Oliver Hartung, Daniel Schenker und Christine Lauterburg ihre Aufwartung) haben sich nicht blind an die musikalischen Vorgaben gehalten, sondern den Stücken einen zeitlosen Anstrich mit jazzigen Farbkompositionen und Variété-Tupfern mit aktueller Groove-Grundierung verpasst. "Wir brauchten dafür keinen Produzenten, weil wir von

Anfang wussten, wie wir die Songs umsetzen wollten", erinnert sich Pop-Charmeur von der Heide. Innerhalb von zehn Tagen wurde das Album eingespielt, und als noch Zeit blieb, arrangierten von der Heide & Co. den unverwüstlichen Hit "Jeudi Amour" neu, um mit einem zusätzlichen Zückerchen aufwarten zu können.

Das Multitalent von der Heide hätte es sich einfach machen und sattsam bekannte Hits aus der Schweizer Lieder-Schatztruhe auffrischen können, die er im Laufe der Jahre schon live interpretiert hatte. "Helvetia" hingegen ist ein Liebhaberprojekt, für das von der Heide im Laufe der Jahre verschollen geglaubte Preziosen aus diversen Brockenstuben gehortet hat. Vielleicht lagen sie auch auf dem Grund des Zürichsees, gleich neben den schlamm- und algenbedeckten Ueberresten der einst so stolzen "Helvetia"...